Archiv für den Monat: Juli 2017

Entscheiden bald Chatbots über die Kreditvergabe?

chatbots-krediteEs klingt nach einem Science-Fiction-Film, ist aber bei einigen Startups schon Realität: Chatbots übernehmen die „Beratung“ von Kreditinteressenten – und entscheiden in vielen Fällen auch darüber, ob ein Darlehen vergeben wird oder nicht.

Ein Unternehmen in Österreich präsentiert sich hier derzeit als Vorreiter und will das wachsende Potenzial der „künstlichen Intelligenz“ von Computern nutzen. Die Idee: Chatbots werden schon bald auch umgangssprachliche Formulierungen erkennen können. Sie werden laufend mit Informationen gefüttert und „lernen“ mit jedem Gespräch mehr dazu. Deshalb, so die These, sollen sie schon sehr bald mindestens genauso gut wie echte Menschen über einen Kredit sprechen können. Und wenn sie alle erforderlichen Eckdaten zusammengetragen haben, könnten die Bots auch gleich die Kreditentscheidung treffen.

Tatsache ist: Schon heute entscheiden bei vielen großen Banken kaum noch „echte Menschen“ über die Genehmigung einer Finanzierung. Vielmehr obliegt die Kreditprüfung den Computern in den „Kreditfabriken“ der Banken. Wie am Fließband (daher auch der Name) werden hier die Kreditanträge bewertet und schließlich entschieden. Das Problem dabei: Wenn eine Maschine, die im Wesentlichen zwischen „0“ und „1“ unterscheidet, das „letzte Wort“ hat, dann bleibt für individuelle Lösungen kein Platz. Schon wenn der Schufa-Score minimal zu schlecht ist oder wenn im Extremfall zwei Euro zum geforderten Mindesteinkommen fehlen, lehnt ein Computer die Anfrage ab. Ein Bankmitarbeiter aus Fleisch und Blut hingegen würde mit gesundem Menschenverstand erkennen, dass das gewünschte Darlehen problemlos gewährt werden könnte.

Gerade diese fehlende Flexibilität ist es, die viele Kunden vor einer weiteren Automatisierung zurückschrecken lässt. Denn manche Dinge lassen sich einfach nur von Mensch zu Mensch besprechen, aber nicht mit einem Chatbot. Experten gehen deshalb davon aus, dass es auch in Zukunft weiterhin Kreditvermittler und Banken geben wird, die einen bewussten Kontrapunkt zur fortschreitenden Technisierung setzen. Auch diese Anbieter werden (wie schon heute) die technischen Möglichkeiten für eine schnelle Kreditentscheidung nutzen – sie werden aber weiterhin auch persönlich für ihre Kunden da sein und gerade in „schwierigen Fällen“ kreative Lösungen finden, die mit einem Chatbot schlicht nicht umsetzbar wären.

Besser einen Ratenkredit als einen Dispo – sagt die Regierung

Wer mit seinem Konto schon einmal im Minus war, der weiß: Dispokredite sind extrem teuer. Die Banken langen bei den Zinsen kräftig zu – und verschärfen auf diese Weise die finanzielle Situation von vielen Betroffenen.

Für die Banken ist der Dispokredit ein glänzendes Geschäft. Allein in Deutschland scheffeln die Institute mit den überhöhten Zinsen eine dreistellige Millionensumme pro Jahr. Auf diese Geldquelle wollen viele Banken ganz offensichtlich nicht verzichten. Da macht es auch nichts, dass die Leitzinsen in den vergangenen Jahren immer weiter gesunken sind und heute einen historischen Tiefstand nahe der Null-Prozent-Marke erreicht haben – der Dispo ist und bleibt extrem teuer.

Mehrere Anläufe, die Höhe der Zinsen gesetzlich begrenzen zu lassen, sind im Sand verlaufen. Auch das seit einiger Zeit geltende Gesetz gegen „Dispo-Abzocke“ verbietet keine überhöhten Zinsen. Die Banken werden mit der gesetzlichen Regelung lediglich zu mehr Transparenz verpflichtet. Sie müssen also die Konditionen für ihre Dispokredite fortan jedem Kunden leicht zugänglich machen.

Bislang wussten viele Verbraucher überhaupt nicht, mit welchem Zinssatz ihr Dispokredit berechnet wurde. Damit soll nach dem Willen der Regierung bald Schluss sein. Die Hoffnung: Wenn Verbraucher die Konditionen verschiedener Banken besser vergleichen können, haben sie mehr Möglichkeiten, die Bank zu wechseln. So soll durch den Wettbewerb ein Absinken der Dispozinsen erreicht werden.